Begonnen hat dieser größte und 1.Kirtag Wiens schon am Freitag dem 21. Mai am Wiener
Stephansplatz mit der Segnung eines Kirchbaums durch
Dompfarrer Mag. Toni Faber. Für mich war er ein typischer, aber zu spät aufgestellter, 20 Meter hoher Maibaum. Nachdem er erfolgreich am Rathausplatz landete, durfte er in luftiger Höhe für die tägliche
Gratis-Tombola die Preise "beherbergen".
Kathi, die beruflich für die Stadtgärten Wien jeden Baum erklimmt und ihm, wenn nötig, den passenden Schnitt verpasst, kletterte behende wie ein Eichkatzerl unter den bewundernden Blicken der Zuschauer den glatten Stamm hoch, löste die dort oben angebrachten Papierröllchen mit den darin versteckten Gewinnen und warf sie aus luftiger Höh' dem
Moderator, Oliver Anibas, der an allen 4 Tagen ein souveräner, nimmermüder Dirigent der riesigen Bühne war, gekonnt zu. Ein kleines
Glücksengerl las sehr gewissenhaft die Namen der jeweiligen Gewinner vor. Die Preise konnten sich sehen lassen und die
Erste Bank, Gösser, und vor allem noch ein
Österreichisches Familienunternehmen, die Firma Almdudler, übergaben die von ihnen gestifteten Preise persönlich. Da ging es teilweise so vergnügt zu, dass auch das Publikum über die Dialoge der Gewinner mit dem Moderator, Oliver Anibas, herzlich lachte und spontanen Applaus spendete.
Dieser Kirtag war einerseits eine Miniaturausgabe unseres Wiener Praters, was aber das Kulinarische betraf, war er ihm überlegen. Vergleichbar mit anderen herkömmlichen Festen dieser Art ist er schon deshalb nicht, weil hier eine Vielzahl unterschiedlichster Musik- und anderer Darbietungen, die man im Prater nicht findet, geboten wurden. Quiz- und Spieleshows, gekoppelt mit viel Spaß, hatten auch die Wiener Kinderfreunde für Kids parat. Hübsch gekleidete
Stelzengeher aber ganz besonders die Darbietungen der
Einradartisten aus Rohrbach, der
"One Wheel Dragons", die in jeder Altersgruppe von 7 - 50 Jahren ihre Künste zeigten, riefen große Begeisterungsstürme des Publikums hervor. Das war großes akrobatisches Können. Auch die humorvollen Kommentare des Betreuers trugen sehr zur Unterhaltung bei. Sehenswert!
An jedem der vier Tage konnte man dem
Wienerlied Duo Jäger & Czipke zu unterschiedlichsten Zeiten an unterschiedlichsten Stellen lauschen, denn sie hatten längst vergessen geglaubte Lieder mit anspruchsvollen Texten ausgegraben und es war ein Erlebnis der ganz besonderen Art, das man sich auch außerhalb der Kirtagszeit gönnen sollte.
Großes Hallo gab es beim Gösser Bieranstich mit Gratisbier. Es spielte auf die
Gösser Blasmusikkapelle, die Betriebsmusik der Wiener Linien, der Musikverein Frauenkirchen und die Polizeimusikkapelle Wien. Vertreten war auch die
Unterhaltungsband Dolce Vita, die auf der Hauptbühne für viel Stimmung sorgte,
die Volkstanzgruppe Glasing, Memory Country Music und die dazu obligaten
Linedancer.
Die
Band Rokitansky war am Samstag die Vorband von
Wolfgang Ambros und so wie erwartet, war der Publikumsandrang gewaltig und die Stimmung emotional. Danach noch 2 Stunden
Almdudler Schlagerparade-Hüttengaudi. Am Montag machte den Abschluss 2 Stunden
Radio Arabella, die auch tagsüber immer wieder an diesen Tagen zu hören waren.
Am Pfingstmontag gab es nur mehr
Highlights. Schon um 10.00 Uhr war Leben am Rathausplatz. Obwohl nur zwei Musiker, hatte man bei den
"16er Buam" nicht das Gefühl, dass sie auf der riesigen Bühne verloren wirkten. Nachdem der
Moderator, Oliver Anibas, das Duo in lockerem Plauderton vorstellte und er damit sofort die Aufmerksamkeit der bereits auf den Heurigenbänken Platz genommenen Besucher weckte, scharrten die beiden
Vollblutmusiker bereits sichtlich in den Startlöchern. Mit viel Schwung legten sie los und es war sofort klar, dass die "16er Buam" berechtigt eine so große Fangemeinde ihr eigen nennen dürfen. Nicht jeder besitzt und beherrscht so hervorragend sowohl die
chromatische Schrammel- aber auch die
diatonische Steirische Harmonika so, wie das bei
Patrick Rutka der Fall ist.
Klaus Steurer an der
Kontragitarre und man höre und staune als
Virtuose mit zwei Holzlöffel, die er mit einem schwindelerregendem Tempo zum Klingen bringt und die Zuschauer damit in Erstaunen versetzt. 2 Künstler, die nicht grundlos viele Auftritte im In- und Ausland zu verzeichnen haben.
Bei einem weiteren Auftritt der
16er Buam, bei der Almhütte der Firma Almdudler herrschte eine besonders gemütliche Atmosphäre. Es wurde zwar beim Essen fest zugelangt und nicht alle tranken reinen Almdudler, aber die Gäste sparten nicht mit Applaus und Zurufen. Vielleicht sieht man den Einen oder Anderen am
17. September 2010 beim Trachtenpärchenball im Rathaus wieder?!
Das
Duo Edith Jäger - Gesang, und Walter Czipke - Gesang und Knöpferlharmonika, macht mit seinen Wienerliedern von anno dazumal bis heute, die es mit Herz, Hirn und Witz bringt, Lust auf mehr. Mit klarer, heller, angenehmer Stimme dargebracht, nimmt das Ohr sowohl die Melodien als auch die Texte gerne auf. Ein gut harmonierendes Team!
Die
Hatsko Kolo Novo Selo Tamburizza Gruppe aus Neudorf, Nähe Parndorf im Burgenland hat sich mit ihrem Können bereits einen Namen über die Grenzen Österreichs hinaus gemacht. Mit dem so typischen Klang ihrer Musikinstrumente und dem Gesang in Kroatischer Sprache, lassen sie alte Volksweisen wieder aufleben. Davon gibt es auch ein Liederbuch mit Knapp 100 Liedern. Bühnefüllend mit 12 stimmgewaltigen Musikern, die auch optisch ein Hingucker waren.
Spannend danach das
Gösser Wettnageln, das ein ausgewähltes Team der Erwachsenen von
"One Wheel Dragons" für sich entscheiden konnte. Hoffentlich nicht alles Antialkoholiker, bei dem Gewinn von so viel Gösser Bier.
Während vor der Bühne Tische und Bänke für
Künstler und Personen aus Politik und Wirtschaft bereit gestellt wurden, gab es noch zum letzten Mal bei diesem Kirtag
(3x täglich) die Bamkraxl-Tombola, bei der Kathi wieder in luftiger Höhe nach den begehrten Preisen angelte und wo
Moderator Oliver Anibas ebenfalls zum letzten Mal, bei dem er dem Fest so viel an Farbe gab, seines Amtes waltete. Danach übernahm diese Aufgabe
Adi Hirschal, womit ein weiterer Abschnitt des letzten Tages für einen nochmaligen Höhepunkt seinen Anfang nahm.
Adi Hirschal zeichnete sich nicht nur als hervorragender
Moderator, sondern wieder einmal auch aufgrund seiner emotional vorgetragenen Lieder aus. Der Kaisermühlenblues durfte da natürlich nicht fehlen. Kaum ein Wiener, der diese Melodie nicht im Ohr hat. Ein Allrounder dieser Mann, eben
ein Entertainer, der das den restlichen Abend immer wieder unter Beweis stellte!
Die Vergabe des
"Lieben Augustin" an Jazz Gitti, Prof. Karl Merkatz und Dkfm. Hans Schmid wurde keine trockene Angelegenheit, weil die Dialoge spätestens nach drei Sätzen immer wieder eine Pointe enthielten.
Jazz Gitti war daran meist maßgeblich beteiligt. Es ist so: wo diese Frau auftaucht, ist die gute Laune vorprogrammiert. Sie ließ auch unseren
Wiener Bürgermeister, der die Übergabe vornahm, nicht ungeschoren davonkommen. Mit Charme, doch das Kind beim Namen zu nennen, davor schreckt diese Sängerin nicht zurück. Übrigens ist sie während des kompletten Juni in vielen Bezirken bei frei zugänglichen Festen immer wieder zu finden. (Ihre hübsche und übersichtliche Website mit den Terminen kontaktieren!)
Über
Prof. Karl Merkatz zu schreiben fällt mir etwas schwer. Wirklich jedem ein Begriff, hieße es Eulen nach Athen tragen. Noch dazu verehre ich ihn viel zu sehr, als dass dafür mein Vokabular ausreichen würde. Seine Augen und die Mimik zeugen von großer Lebensweisheit. Ein Mann, der alle Facetten des Lebens kennt und vielleicht gerade deswegen mit Demut und Güte, mit Neugierde auf das, was das Leben noch so alles bringen könnte, aber auch immer mit einem Quäntchen Schalk in den Äuglein durchs Leben geht, sodass er für mich, dieser Veranstaltung eine spezielle Note verliehen hat. Er war bei diesem 1. Rathaus-Kirtag
der Star!
Zur Rettung des Stephansdoms gab es einen "Baustein" von der Erste-Bank im Wert von € 50.000,--, den Dompfarrer Mag. Anton Faber erfreut entgegennahm.
Beflügelt durch den heiteren musikalischen Auftakt mit
Prof. Karl Merkatz, (wie ganz oben erwähnt), hörten wir einfühlsam bis beschwingt von
Prof. Karl Hodina am Akkordeon und Rudi Koschelu an der
Kontragitarre "Herrgott aus Stan" und "'s Vogerl am Bam". Natürlich lieben die Wiener diese fast schon wie Hymnen klingenden Lieder, und mit
Koschelu hat sich Hodina garantiert bewusst diesen genialen Partner geangelt.
Das
"Trio Wien" mit Fredi Gradinger am Akkordeon, Franz Horacek an der Gitarre und Norbert Vas am Kontrabass lassen keinen Zweifel aufkommen, dass hier g'standene Wiener vorort sind. Sie holen uns zwar nicht komplett die Sterne vom Himmel, aber doch die Engerl auf Urlaub nach Wean. Es wird auch nicht lange überlegt und gleich lautstark vom Publikum mitgesungen. Die Singstimmen des Trios verlieren zwar dadurch ihre Farbkraft, aber der tosende Applaus macht das wieder wett. Das
Wienerlied lebt in seiner Urform - noch!
Hört man die Stimme von
Agnes Palmisano, dann vergisst man, dass es da noch zwei Begleitmusiker gibt, die diese Stimme unterstützen.
Peter Havlicek an der Kontragitarre und
Roland Sulzer am Akkordeon, die auch vokal so einiges zu bieten haben. Das Dudeln beherrscht diese junge Frau so, wie zurzeit sonst niemand auf weiter Flur. Sie spielt mit ihrer Stimme und schier mühelos gelingt ihr der Wechsel in jede nur menschenmögliche Tonlage. Sie drückt die Stimmung aus, die sie uns in den jeweiligen Lieder textmäßig erzählt und lässt uns in großem Erstaunen zurück. Ich müsste mich schon sehr irren, wenn nicht auch der hier anwesende
Dkfm. Hans Staud, mit (seiner) KS Birgit Sarata, zurecht zu ihren begeistertsen Fans zählten!?
Wer hat uns die
Interpreten für unsere geliebte Wiener Musik auf diese Bühne geholt? Richtig! Es war der ehemalige Bezirksvorsteher von Floridsdorf,
Kurt Landsmann, der Präsident von D'Echten Weaner!
Der Großteil der Besucher hat an dieser Veranstaltung Gefallen gefunden und wer diese Kirtagsatmosphäre ablehnt, dem steht auf jeden Fall zusätzlich immer ein breit gefächertes Alternativangebot in unserer Stadt zur Verfügung.
http://fotos.wien22.net/20100524KirtagRathaus2010/index.html