Wer ein Mal
Agnes Palmisano singen hörte, erliegt unweigerlich dem Zauber dieser Stimme. Diese kann süchtig machen. Das liegt auch an der Art der Darbietung. Hier wird jedes Lied zu einer Geschichte. Man wähnt sich in einem Theatersaal und die Sängerin auf der Bühne spielt eine Rolle. Es könnte ein Musical, eine Operette, was auch immer sein, aber es ist nicht nur ein Lied. Sie singt nicht für uns, sie lässt uns teilhaben an dem, was sie bei dieser Musik, bei diesen Texten fühlt.
Es macht ihr, wie es scheint, nicht die geringste Mühe, von den tiefsten Tönen mit sofort darauf folgender zarter, fast zerbrechlicher Stimme uns ihre musikalische Geschichte miterleben zu lassen. Sie zelebriert jede einzelne Passage der sprachlich oft anspruchsvollen aber trotzdem leicht verständlichen, dann wieder sehr heiteren Texte und der musikalisch so vielschichtigen Nuancen der Lieder, die ich noch nie bei jemandem so intensiv zu hören bekam. Das ist Schauspiel und Gesang in vollendeter Perfektion. Als Zuhörer kann man sich da eines wohligen Gänsehautfeelings nicht erwehren.
Dabei muss unbedingt erwähnt werden, dass sowohl
Peter Havlicek mit seiner Kontragitarre wie auch
Helmut Stippich am Akkordeon die Lust an dieser Art Musik deutlich spüren lassen und so die vielseitige Begabung der Sängerin noch deutlicher zum Ausdruck kommt. Havlicek entlockt seiner Gitarre, wenn angebracht, so zarte, wohlklingend unterstreichende Töne, dass man versteht, warum Palmisano diese Begleitung schätzt.
Die "Uralt Wienerlieder", die heute wieder zum Leben erweckt wurden, können nur dann wirken, wenn jemand den Dudler so beherrscht wie Palmisano und
Trude Mally, Dudel Legende von Wien, hätte dieser heutige Auftritt wieder einmal sehr stolz gemacht. Sie hat die Sicherheit, dass mit dieser Sängerin ihre Wiener Dudler in bester Qualität weiter vermittelt werden.
Geht es bei den dargebrachten Wienerliedern um die echten Wiener, Pokorny oder Novotny, dann sitzt dem Helmut Stippich der Schalk im Nacken und seine Augen blitzen. Dementsprechend vergnügt tanzen auch die Finger über die Tasten und der Übermut den die zwei Musiker bei der gesanglichen Unterstützung dabei versprühen, springt wieder auf die Gäste über. Dieses Trio wirkt so harmonisch, dass man sich nicht vorstellen kann, dieselbe Qualität in veränderter Formation nochmals zu erleben.
Das Publikum war schon während der kurzen Pause voll des Lobes über diesen wunderbaren Abend und das ließ auch der nach jedem Lied nicht enden wollende Applaus erkennen. Trotz Zeitnot, kamen die Musiker nicht ohne Zugabe davon.
http://fotos.wien22.net/20090422AgnesPalmisanoPeterHavlicekHelmutStippichImBezirksmuseumFloridsdorf/index.html
Das sind Musiker, die man jedem Musikliebhaber, vor allem jenen der Wienerlieder nur "wärmstens" empfehlen kann. Viel in Deutschland unterwegs, die dieses Kleinod schon entdeckt haben, kann man Agnes Palmisano trotzdem auch im Cafe Prückel im 1. Bezirk bei "
Wiener Halbwelten" genießen. Homepage besuchen und sich die Termine notieren.