Das Durchschnittsalter der hier Anwesenden? Jung, sehr jung... im Herzen...und sehr dankbar, wenn man sieht, dass es auf der Bühne auch junge Leute gibt, die mit Hingabe, an den Liedern die das Gefühl des Wieners wiedergeben festhalten und zusätzlich frischen Wind mit Gedanken die der Realität der heutigen Zeit entsprechen in gleichem Maße die Mentalität des Wieners zeigen.
Der
Prunksaal hier
im Rathaus bewirkt jedes Jahr dasselbe. Obwohl erst alle langsam eintreffen, wird es hier nie laut werden. Ein Summen wie in einem Bienenstock und wie es scheint, teilweise ehrfurchtsvolle Stille vor der Schönheit dieses außergewöhnlichen Rahmens. Wir entdecken
Prof. Hermi Lechner, Luise Seitler, (Trägerin der Franziska Fast Ehrenmedaille), Grete Bredl, Prof. Gerhard Track,...
Wer da einen anderen Zugang hat ist
Peter Rapp, der heutige
Moderator. Wer Peter Rapp kennt, weiß, dass er nach der Begrüßung und gleich beim ersten Satz die Lacher auf seiner Seite hat. Bei ihm ist alles Situationskomik, zumindest kommt man gar nicht auf die Idee, dass er ein Konzept für seine Auftritte hat. Und es sind starke Auftritte. Eigentlich war es mir egal, wen er als nächstes ankündigte, aber die Art wie er es jedesmal schaffte, das Publikum aus der Reserve zu locken ist wirklich faszinierend. Diesen Job beherrscht dieser Mann wie sonst keiner. Wenn er dann spontan entscheidet, dass man auch ohne Begleitung "der Großmutter ihr Kaffeehäferl" singen kann und das Publikum ebenso textsicher ist und sehr wohl mitsingen kann, dann merkt man, dass Peter Rapp mit jeder Situation umgehen kann. Ich freue mich schon auf den Auftritt in den
Blumengärten Hirschstetten!
Ein Raunen geht schon bei der Ansage des ersten Duos durch den Saal und gleich darauf gibt es mittels Applaus die Vorschusslorbeeren für
Prof. Karl Hodina am Akkordeon und Rudi Koschelu an der Kontragitarre. Mir fiel auf, dass Hodina an diesem Sonntag besonders gut gelaunt war. Schon bei der ersten Melodie machte er Späße über das verzögerte Tempo, das aber bei dem Musikstück "der Eing'schliffene" sehr wohl seine Berechtigung hat. Selbstverständlich durften das "Vogerl am Bam" und "Der Herrgott aus Sta" nicht fehlen.
Die Wiener lieben Hodina und obwohl
Rudi Koschelu unter seinen Kollegen hoch geschätzt wird, achtet der alteingesessene Wiener nur auf "seinen Hodina", und die Stimme und das einfühlsame Spiel des Kontragitarristen werden von vielen nur am Rande wahrgenommen. Als Lehrer ist Koschelu ein begehrter Mann.
Von
Rudi Luksch, dem heutigen Regisseur klug organisiert, kommt das
Duo Steinberg & Havlicek auf die Bühne und
Karl Hodina greift nochmals mit sichtlicher Freude zum Akkordeon und macht aus dem Duo ein Trio.
Peter Havlicek, der die
Sängerin,
Traude Holzer, sowohl
Vokal als auch auf der
Kontragitarre begleitet, ist sehr vielseitig, weit gereist und seit 2001 auch am Burgtheater tätig. Über "DES ANO" sollte man sich zusätzlich informieren. Von
Traude Holzer (warum auch immer Steinberg) faszinieren Stimme, Mimik und die amüsanten Texte das aufmerksame Publikum. Obwohl viele sie noch nicht kannten, ernteten sie reichlich Bewunderung. Wieder ein Duo, wo man nach den vier Stücken, gerne noch mehr gehört hätte.
Rudi Luksch und Victor Poslusny in einem Atemzug genannt, betitelt man besser als
"Die zwei Strawanzer"! Meine Meinung ist, dass diese Bezeichnung fast auf jeden Musikanten zutrifft aber im Besonderen auf Interpreten des Wienerliedes. Ihre große Liebe gehört sicher der Wiener Musik, aber zuhause sind sie überall dort, "wo die Musi spielt". Also passt auch hier die Bezeichnung "Strawanzer".
Kennt man
Rudi Luksch, dann weiß man, dass dieser Mann äußerst kompetent in allem ist, was mit Musik zu tun hat. Sein Wissen ist so umfangreich, dass ich mir gut vorstellen kann, dass es keinen guten Musiker gibt, den er nicht in- und auswendig kennt. Und nicht nur in Sachen Musik! Er ist das lebende Lexikon schlechthin. Über sein Können auf dem
Akkordeon brauchen wir kein Wort verlieren. Man sollte sich einmal eine halbe Nacht um die Ohren schlagen und ihn in der Schulgasse beim
"Schmid Hansl" genießen. Ach ja, sollten Sie einmal am Opernball sein, dann besuchen Sie ihn und Victor Poslusny im Heurigenstüberl. Das gibt es nämlich dort auch.
Victor Poslusny ist am
Keyboard ebenso zuhause wie auf
jeder Art von Gitarre. Er ist Musiker seit frühester Jugend und dementsprechend sind auch Erfahrung und Können. Das und seine wandelbare Stimme, die er problemlos je nach Bedarf einsetzen kann, machen aus ihm den Allrounder, den Kollegen gerne in ihrer Band haben. Ich für meinen Teil muss sagen, dass nur als Solist seine Größe wirklich zur Geltung kommt. Die Möglichkeit zur Bestätigung hat man unter anderem im Restaurant Styria XX, beim Heurigen Binder, in der 10er Marie,
Saloon im Donauplex....HP besuchen!
Ein ganz großer Meister seines Faches ist
Prof. Leopold Großmann. Er hat in seinem Leben schon viele Erfolge gefeiert und wäre wahrscheinlich heute die Begleitmusik am
Flügel für Sabine Mach gewesen, die leider erkrankt ist und der wir auf diesem Wege recht baldige Genesung wünschen. So kamen wir unvermutet in den Genuss, ein Trio zu hören.
Prof. Großmann, Rudi Luksch und Victor Poslusny.
Als Begleitmusiker können sich die
"Zwei Strawanzer" gleich beim nächsten Sänger,
Herbert Sobotka, Präsident des Kulturvereins Donaustadt, der diesmal ohne seinem eigenen
Akkordeon zu hören ist, wieder beweisen aber die Aufmerksamkeit des Publikums liegt eindeutig bei der Liebeserklärung für die Heimatstadt. Bei den Liedern "A Fahrkart'n nach Wien" und "I därf an Wien net denk'n", befinden sich Zuhörer und Sänger gefühlsmäßig auf gleicher Ebene. Hier offenbart sich die Mentalität des echten Wieners ganz deutlich.
Als
Duo Sobotka, geht es schwungvoll weiter. denn
Prof. Marika Sobotkas Temperament fegt mit Begeisterung in der Stimme alle sentimentalen Gedanken von der Bühne und aus den Köpfen der Zuhörer. Sie und
Herbert Sobotka klingen frisch und fröhlich wie in alten Zeiten. Das Duo zu hören, bewirkt ein Gefühl der Freiheit und Entspannung. Vielleicht ergeben sich ja in Zukunft mehr Möglichkeiten der gemeinsamen Auftritte.
Marika wählt geschickt ihre Lieder und animiert das Publikum, wie so oft, den Refrain mitzusingen. Das lässt sich kein Sangesfreudiger zweimal sagen und niemand denkt mehr an die prunkvolle Umgebung. Im Takt wird mitgeklatscht und Marika liebt es, wenn sie spürt, dass die Gäste ihre Begeisterung dadurch ausdrücken. Schon einmal aufgewärmt, mangelt es auch nicht an nachfolgendem ausgiebigen Applaus.
Noch nicht erholt von
Peter Rapp's originellen Sprüchen weiß man, dass nun ein weiterer Angriff auf das Zwerchfell bevorsteht.
"H.P.Ö.", Heider Poldi Österreich bringt zwei seiner Geschichten, die er in Mundart geschrieben und uns nun mit dazupassendem Akzent wiedergibt. Diese Reime kennen viele seiner Fans, aber wenn
H.P.Ö. sie mimisch gekonnt bringt, ist schallendes Gelächter nicht zu vermeiden. Und erst die Leute, die zum ersten Mal hier sind! Da wird noch gelacht und getuschelt, wenn er schon zum nächsten "Angriff" loslegt. Zum Abschluss kann man noch erstaunt feststellen, dass er singt, als wäre
der legendäre Schmid Hansl nochmals auferstanden. Dass er auch das gekonnt beherrscht, beweisen die feuchten Augen von
Rudi Luksch.
Bevor es zur Pause geht, hat
Peter Rapp noch
Christl Prager auf die Bühne zu bitten. Und diese Frau ist immer wieder ein
Highlight. Der Applaus trägt sie förmlich auf den Weg dorthin. Obwohl sicher jeder hier
Christl Pragers Stimme kennt, ist das Erstaunen über dieses Stimmvolumen immer wieder grenzenlos. Diese Frau kann man nur als Phänomen bezeichnen. Nicht verwunderlich, dass massiv Stimmen um eine Zugabe laut werden. Damit hat aber Rudi Luksch schon gerechnet und Christl Prager für den zweiten Teil nochmals vorgesehen. Versöhnt durch diese Zusage, gönnen wir auch den Künstlern die Pause.
Der erste Auftritt nach der Pause kommt von
Peter Rapp. Nicht ohne uns wieder heiter zu stimmen und er kündigt uns die
Weltpartie an. Dahinter verbergen sich
Franz Eder auf seiner Gitarre und Heinz Grünauer am Akkordeon, wo ich aber heute leider auf mein Lieblingslied verzichten muss. Da sind mir vier Wienerlieder nur ein kleiner Trost und vor allem nur ein winziger Teil eines riesigen "Puzzles" des Repertoirs dieser Musiker. Entzugserscheinungen verspüre ich auch schon, aber die Auftritte werden zu eruieren sein. Dieses Duo hat die Musik im Blut!
Ich denke mir manchmal, dass all die vielen Sänger die wir in Wien haben, doch so vielseitig sind, dass man sich auf einige wenige beschränken könnte, weil sie ja doch fast jeden Musikwunsch erfüllen können. Aber so funktioniert das in der Praxis nicht. Wir sind süchtig nach jedem Einzelnen und wollen keinen missen.
Nehmen wir den nächsten Sänger.
Kurt Strohmer! Mit 14 schnupperte er erste Bühnenluft und die ließ ihn nicht mehr los. Vor einigen Jahren sah und hörte ich ihn bei
TV-Aufnahmen für TW1 im Tivoli, verlor ihn aber wieder aus den Augen. Bei jedem weiteren Auftritt wurde ich neugieriger und nun weiß ich annähernd, was in diesem Mann alles steckt und welche Projekte bereits entstanden und auch schon wieder in Arbeit sind. Details würden den Rahmen sprengen, aber heute hatte man durch seine
selbst getexteten Lieder die Möglichkeit in sein Herz zu schauen. Wem das nicht gelang, der hat versäumt, einen außergewöhnlichen Menschen kennen zu lernen.
Die Melodie von "For Once In My Life" wurde zu
"Verliabt", "Summer Wind" zu
"Es geht so gschwind", "My Way" zu
"Gsichta" und "New York New York" zu
"Traumstadt Wean". Dass er aus "The Lady Is A Tramp",
"Der Kurt den jeder kennt" machte zeigt, dass er auch das Locker-Heitere schätzt. Diesen Sänger behalte sicher nicht nur ich im Auge! Der
"Hawara Club" im Schutzhaus Wasserwiese bietet die beste Gelegenheit dazu.
Dass
Kurt Strohmer sich
Clemens Schaller als Pianist wählte, kommt bestimmt nicht von ungefähr. Dieser Mann ist nicht nur
Pianist, Keyboarder, Komponist und Sänger. Er spielt
in verschiedenen Bandformationen, unterrichtet in Purkersdorf an der
Musikschule, ist aber auch
Lehrbeauftragter der Musik-Uni Wien . Hochachtung!
Die
"Vienna Schrammeln": mit Karin Schlechta an der Violine, Herbert Schöndorfer am Akkordeon und Victor Poslusny, jetzt natürlich an der
Kontragitarre, sind ein ausgesprochener Ohrenschmaus für uns Wiener. Wir hören die Violine und sie verzaubert uns.
Dieses Trio tritt auch auf der
Bühne Donaupark jährlich während der Ferienzeit auf und genießt bei seinen Stammgästen einen hohen Stellenwert. Wenn man sie nun hier im Rathaus gehört hat, kann man diese Begeisterung verstehen.
Hat
Christl Prager mit ihrer Stimme schon vor der Pause wohlige Schauer auf unserer Haut verursacht, so werden ihre Darbietungen durch den Einsatz der so gefühlvoll gespielten
Violine Karin Schlechtas noch unterstrichen.
Ein Lied, mit einem Text der andeutete, dass wir ihren Bruder,
Walter Heider, auf dieser Bühne wohl nie mehr sehen und hören werden, stimmt nicht nur sie sondern alle hier im Saal sehr nachdenklich und traurig.
Christl Prager sollte uns aus diesem Grund hier so lange erhalten bleiben, wie es ihr nur möglich ist und keinen Gedanken mehr an einen Bühnenabschied verschwenden. Den gar nicht enden wollenden Applaus nach diesem Lied muss unsere "Königin des Wienerliedes" gerechter Weise mit ihrem Bruder Walter teilen.
Längst hätte dieses Fest zu Ende sein müssen, aber noch fehlt
Horst Chmela.
Karin Schlechta hatte noch einen weiteren Termin wahrzunehmen und eilte von der Bühne. Sie musste, so wie vor ihr alle Künstler, den langen Gang am Publikum vorbei gehen. Obwohl sie wie ein Mäuschen huschte, wurde sie bis ans Ende des Ganges
wie bei einer Welle in einem Stadion mit Applaus zur Künstlerloge, bzw. Garderobe
begleitet. Das ist ein eindeutiger Beweis, dass
Karin Schlechta mit ihrer Leistung das Publikum stark beeindruckt hat.
Peter Rapp kündigt nun den zuletzt auftretenden Künstler an und das Publikum weiß, dass es nun
Lieder von Horst Chmela zu hören bekommt, die eigentlich schon als
Volksweisen bezeichnet werden können. Jeder hier kennt und liebt sie und wer am
Freitag dem 13. November Karten für die
Stadthalle erstanden hat, wird viele seiner Werke, bei denen sowohl die Texte als auch die Musik dazu immer
aus eigener Feder stammen,
live, mit starker Band genießen können. Schon bei dem heutigen Auftritt lässt sich erahnen, dass die Stadthalle beben wird. Mit zwei Gedichten zeigt uns
Horst Chmela seine sensible Seite und lässt durchblicken, dass diese Zeilen bald vertont zu hören sein werden.
Wenn dann zum Abschied
Horst Chmela fragt: "Was san mir?" Dann wissen alle, dass wir
a Weltpartie san! Wer von den Künstlern noch nicht weg musste, fand sich auf der Bühne ein und Publikum und Künstler werden zu einem lautstarken Chor.
Peter Rapp hat noch immer Späße auf Lager und trotz einer kompletten Stunde Verspätung wirken sowohl Künstler als auch die Gäste fröhlich und entspannt. Ein wirklich
gelungenes Fest, bei dem man wieder feststellen kann, aus welch reichhaltigem Potential wir schöpfen können, wenn wir Spitzenmusiker brauchen die sich dem Wienerlied verschrieben haben.
Großer
Dank an Kurt Landsmann und all jene, die sich dafür Jahr für Jahr einsetzen, dass diese
Wienerliedgala in so elegantem Rahmen stattfinden kann.
http://fotos.wien22.net/20091108Wienerliedgala2009ImWienerRathaus/index.html